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Familiennachzug / Familienzusammenführung

Da ich mich mit Fragen der Familienzusammenführung nicht so intensiv befasst habe, kann ich dazu nur wenige Ratschläge erteilen. Diese Webseite ist auch eigentlich zur Beratung und Aufklärung in Sachen Besuchsvisa und Einladungen gedacht. (Auch wenn ich in Sachen Ehegattennachzug und dergleichen natürlich eine dezidierte Meinung habe.) Trotzdem bekomme ich gelegentlich auch Anfragen zu diesem Thema und will ein paar Ratschläge dazu geben:

Die Problematik ist dabei eine andere: Es geht um ein einmaliges, dafür deutlich schwierigeres Verfahren, für das man als Betroffener auch deutlich mehr Kraft aufwenden muss. Ohne erfahrene Helfer ist man dabei meist verloren -- manchmal auch selbst mit den besten Beratern. Meistens empfiehlt sich die frühzeitige Einschaltung eines Anwaltes. Das ist natürlich leichter gesagt, als getan. Anwälte gibt es wie Sand am Meer, aber die wenigsten haben a) Ahnung, b) Ahnung vom Ausländerrecht und bringen c) das notwendige Engagement mit.

Warum das so ist, hat seine Gründe:

  1. Jura ist weitgehend ein Fleißstudium und die Staatsexamen sagen nix über die wirkliche Kompetenz als Anwalt,
  2. Ausländerrecht ist besonders arbeitsintensiv und relativ schlecht bezahlt (auch wenn es die Betroffenen viel kostet) und
  3. siehe a+b.

Es gibt aber zum Glück trotzdem engagierte, kompetente und erfahrene Ausländeranwälte. Das sind zum einen solche, die selbst Migrationshintergrund haben und Erfahrungen mit dem Ausländerrecht in der eigenen Familie oder ihrem Umfeld. Und es gibt natürlich auch unter den Anwälten Menschen, die ähnliche Überzeugungen vertreten, wie ich es tue, und deshalb ein gewisses Engagement in ihre Arbeit einbringen. Eines muss man wissen: Ausländerrecht, Familienzusammenführungsprozesse machen sehr viel Arbeit und bringen dem Anwalt verhältnismäßig wenig ein. Es hat aber erfahrungsgemäß wenig Zweck, mit einem Anwalt, der das mehr oder minder zähneknirschend übernimmt oder der ohnehin kaum Mandanten hat, und deshalb alles annimmt, was ihm so unterkommt, in eine Auseinandersetzung mit der deutschen Ausländerbürokratie zu marschieren.

Also: Rechtzeitig mit der Anwaltssuche beginnen und sich dabei nicht scheuen, den Anwalt zu fragen, warum er den Fall denn übernimmt, welche Erfahrungen er auf diesem Gebiet vorzuweisen hat etc. Der Kunde ist hier König -- sofern er nicht zu lange gezögert hat und ihm nun Termindruck und Fristen bereits im Nacken sitzen.

Zum Auffinden eines geeigneten Anwaltes kann man mehrere Wege beschreiten: Die regionalen iaf-Geschäftsstellen kennen in der Regel in ihrem Einzugsgebiet erprobte Ausländeranwälte für Familienzusammenführung. Bei uns in Hannover ist das beispielsweise die Kanzlei der Oberricklinger Rechtsanwälte (www.orrae.de) um den sehr erfahrenen und angesehenen Ausländeranwalt Heinrich Freckmann und die Anwältin Senem Güler-Räcke (www.gueler-raecke-rechtsanwaeltin.de), selbst ein engagiertes Mitglied der iaf.

Die karitativen Verbände (etwa Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Diakonie etc.) haben mitunter auch Ausländeranwälte unter Vertrag, die sich mit Asyl- und Flüchtlingsrecht ebenso befassen, wie mit Fragen der Familienzusammenführung. Das trifft z.B. auf den erwähnten Rechtsanwalt Freckmann zu. Diese Anwälte findet man über den Informationsverbund Asyl des UNHCR. Auf der Webseite findet sich eine Liste mit Asylanwälten, die sich naturgemäß auch mit Fragen der Familienzusammenführung auskennen.

Letztlich sollte auch die örtliche Anwaltskammer geeignete Kollegen nennen könne -- auf diese Möglichkeit würde ich allerdings nur zur Not, als allerletztes zurück greifen, und den empfohlenen Anwalt auch zunächst in der oben beschriebenen Weise auf Herz und Nieren prüfen, also z.B. Fragen, wie viele Familiennachzüge er denn in seiner Karriere so durchgesetzt hat.

Kostenfragen:

Ja, das kostet Geld. Wenn man am Ende gewinnt, zahlt aber das meiste die Staatskasse. Außerdem haben auch Menschen, die sich das nicht leisten können, Anspruch auf effektiven Rechtsschutz. Dafür gibt es Prozesskostenhilfe etc. je nach Bundesland verschieden. Ein guter Ausländeranwalt kennt auch das ganz genau und berät seine Mandanten entsprechend. Oft lässt sich das in einem ersten Beratungsgespräch klären, das nicht viel kostet. Die Oberricklinger Rechtsanwälte in Hannover bieten dafür zum Beispiel eine Sprechstunde an, bei der man zwar unter Umständen länger warten muss, dafür gegen eine geringe Pauschale eine -- wie ich selbst erlebt habe -- sehr eingehende Erstberatung erhält, bei der sich sicher auch Fragen der Verfahrenskosten klären lassen. Ähnliches gibt es sicher/hoffentlich auch in anderen Städten.

Ein guter Anwalt ist in diesen Dingen die halbe Miete und ich kann nur sehr raten, sich rechtzeitig auf die Suche nach einem zu begeben. Für viele Fragen auch um den Familiennachzug sind wie gesagt die iaf-Geschäftsstellen vor Ort und die Bundesgeschäftsstelle ein guter Ansprechpartner.

 

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